Victor Vampir

 

1. Geschichte: 

 

Voll aus der Art geschlagen

 

Am End von der Stadt, wo die Gärtnereien aufhörn und die Auto-Tandler o-fanga, wo zwischen Autobahnzubringer und Rangiergleis Hollerstaudn und Brombeerranken wuchern, steht a oilds Transformatorhäusl, des wo's zum Abreissn vagessn ham. Frührer is da Strom lustig über de pozellanernen Stromabnehmerköpf durch de Dräht gsurrt, Leut san kumma und ham si um alles kümmert, aber jetzt dodelt's: Brennessel wachsn neba die Schutthaufn, varoste Büchsn liegn umanand, und es riacht aa net bsonders. Es is a finsters Eck! - Und Nacht. - Laster brummen auf d'Autobahn zua, weit ausanand scheinen oan, zwoa Lichter bei die Gleis, aber da, bei dem verfallna Trafohäusl, da iss stockfinster, bloß a poar Glasscherbn glitzern. 

Da wadelt's so was wiara schwarze Plastiktütn durch d'Luft, bis zu dem ausgfransten Mauerloch nauf, und auf oimoi rumpelts, kicherts und batscht's: "Ja, duat ma denn des? Bluat von da Katz, Mausi geh ma vom Hals!" - Da wohnen ja oa drin, a lichtscheus Gschwerl, Fledermaus-Leut san's, Vampir! 

Da Hohlzahn-Benno is grad hoamgflattert, und sei Tochter, d'Fleder-Mausi,  hängt eahm am Hals dro und pobiert beim Begrüßungs-Bussi a bisserl a Bluat vom Babba zum derwischen.

"Schwing di, Mausi", sagt der Victor, ihr Bruder, "mach die Flatter, und laß an Babba in Ruah mit dera bledn Bluatsaugerei!" 

"Ah du", kreischt d'Mausi, "bloß weil du koa Bluat net sehng konnst, du Schwächling!"

"Jetzt hör aber auf!" schimpft d'Mama, die bluatsaure Mari, "du woaßt doch, daß der Victor a Blut-Allergie hat. - Und jetzt dua Tischdeckn!"

"Genau", sagt da Hohlzahn-Benno.

Und na gibt's als Vorspeis an Fleischfliang-Salat in Essig & Öl, danach an todn Ratzn, knusprig aufbratn, und extra für d'Mama grillte Spinnenhaxl, a Delikatesse und sündteuer, und als Nachspeis an Froschlaichpudding.

D'Fledermausi zahnt an Victor o: "Schmeckt's?"

"Mama, derf i aufsteh?", sagt da Victor, "mir iss net guat."

"Mei Bua, wos soll bloß aus dir wern, wanns'd groß bist und di mit eigene Zähn ernährn muasst?"

"Sowas von aus der Art gschlagn", knurrt da Babba. 

"Trink do wenigstens a Glaserl Schnecken-Saft", sagt d'Mama besorgt, "werst sehng, des duat da guat!"

"Uuuaaah!" schreit da Victor und rennt davo.

"Bleib da!", brüllt da Babba. Aber da hot si da Victor scho Kopf voro zum Fenster aussi-gstürzt. AAH-BSCHT! 

 

Net weit weg, in a Eigenheim-Neubausiedlung, sitzt d'Charlotte im Kinderzimmer vor am Glasl Muilch und graust si. Sie derf erst wieder ins Wohnzimmmer zruck zum Fernsehn, wann sie's austrunken hat. 

"Weil a Muilch is ja so was Gsunds!" hat ihr Mama gsagt, "und überhaupts, mei Liabe, jetzt werd gfolgt!"

Auf oimoi sitzt aufm Fensterbrettl a Bua mit am ganz weißn, kasigen Gsicht und so ner  ausgfranstn schwarzn Sportjackn, echt schräg. Es schaut fast aus wia zsammaglegte Flügel.

Wos isn mit dir los?" sagt d'Charlotte. "Geht's da net guat?" 

"Dir aber aa net", sagt da Victor.

D'Charlotte wischt si d'Augn. "I muaß de Muilch trinkn, und i konn's net! Weil's ma so graust!"

Der Victor nickt: "Versteh scho. Echt bled, sowas. Aber die Farb is doch o.k., oder? - Laß mi amoi riachn. - Ey, derf i's probiern?"

"Nur zua", sagt d'Charlotte. "Prost!" 

SCHLUCK, SCHLÜRF, SCHMATZ. "Aah", sagt da Victor, mei is des guat. - Kannt i no was davo ham?"

D'Charlotte is baff. Sie rennt naus und kimmt glei mit der ganzn Flaschn zruck. Und der Viktor sitzt aufm Teppichbodn und trinkt a Muilch, oa Glasl nachm andern, und is so glücklich wia no nia in seim Lebn. 

"Voll guat!" grinst er. 

Da siecht d'Charlotte seine spitzen Zähn. "Sag amoi, bist du a Vampir?"

"Ja. ... Wos dagegn?"

"Na, einglich net. ... Sag amoi, konnst du aa fliang?"

"Charlotte!" ruaft's aus'm Wohnzimmer, "Charlotte, hast du deine Milch schon getrunken? 

"Ja, Mama!"

"Brav, brav, na derfst ins Bett geh, aber glei!"

D'Charlotte macht s’Liacht aus. "Psst, zoag ma wia du fliagst!"

Und da breit der Victor seine schwarzn Fledermaus-Flügel aus und draht a poar scharfe Kurven in dem kloana Kinderzimmer.

"Geil!" haucht d'Charlotte.

Klar, dass die zwoa danach as mitnand Fliang ausprobiern müssn. Der Victor klemmt si d'Charlotte untern Arm und flattert mit ihra naus in d'Nacht, in de warme, samtige Sommernacht. Und weil er von da Muilch so vui Kraft hat, schafft er's, daß er mit ihr über die Gleis und den Autobahnzubringer kummt, und wia er in der Näh vom Trafo-Häusl is, laßt er's aus. "So, da wärn ma."

"Wo?"

"Bei mir dahoam! - Au, vareck, jetzt hab i net aufpaßt." 

De bluatsaure Mari und da Hohlzahn-Benno hängan scho beim Fenster raus, und da kimmt im Sturzflug d'Fleder-Mausi auf d'Charlotte zua, direkt auf ihrn weißen Hals. "Viktor, du bist ja do zum Brauchen. A Blonde! Mama, a Blondhaarate hat er mitbracht, dene eahna Bluat is sowas von guat!"

"Huilf ma, Victor!" schreit d'Charlotte. "De beißt mi!"

Bluats-Verwandtschaft, denkt si da Victor, und dann hat er koa Zeit mehr zum Denkn, weil er 

mit der oana Hand der Fleder-Mausi an Hals zudruackn muaß, 

und mit da andern d'Charlotte packt, 

mit oam Fuß Anlauf nimmt, 

am andern hat si de bluatsaure Mari hi-ghängt,

mim rechten Flügl startet,  

am linken hot si da Hohlzahn-Benno eikrallt. 

Und dann macht er sie alle fertig, der Victor, mit am oanzigen Rundumschlag. WUSCH, PENG, ZACK, WUMM!

"Victor, du bist a Held", flüstert d'Charlotte, wia's danach irgendwo san, sie wissen's selber net wo, Hauptsach weg vo dem Bluatsauger-Gschwerl. Da Victor is sauber verkratzt, aber des macht überhaupts nix, weil eahm d'Charlotte so super findt. - Aber dann erschrickt's: "Sag amoi, Victor, du muaßt doch bald ... woaßt scho ... in dein Sarg ... oder sonst wohi, weil dahint, da werd's fei scho hell. Des is doch lebensgefährlich für di, oder net?"

"Einglich scho", sagt da Victor, "Bluat vo da Katz, ah, na, Muilch von da Kuah, jetzt werd's Tag. - Aus iss und gar iss!"

"Ich werde dich retten!" sagt d'Charlotte. "Du host mi ja aa grett."

A Gockl kraht von am Bio-Bauernhof rüber.

"Es ist zu spät. Leb wohl, Charlotte!" sagt da Victor. "Ich muß scheiden."

D'Sonn geht auf. Der Victor liegt mit zuane Augn und bleich-bleich in der Charlotte ihrm Schoß - und werd auf oamoi rosa. A schens, hells Rosa. Ma kannt sogor sagn, daß er a richtig gsunde Gsichtsfarb kriagt. 

"Victor!" ruaft d'Charlotte.

Der Victor schlagt d'Augn auf.

"Victor, du hast ja blaue Augn!"

"Himmelblaue!" sagt er. "Und jetzt bin i net amoi dot, ha? - I bin echt voll aus der Art gschlogn. ... Wo san ma denn einglich?"

"In am Himbeerschlag", sagt d'Charlotte. "Mehra konn i im Moment net sehng. - Doch, lauter große, reife Himbeern. Kimm, de brock ma uns!"

 

Und des deans. Kloane braune und blaue Schmetterling fliang durch die schrägn Sonnenstrahlen, de wo durch die dürren Fichten rei-falln, und de Himbeern san süaß und schmeckan so guat. Und san aa leicht zum Griang, weil da Victor einfach über de Dornenranken drüberflattert und über de Brennessel und allweil wieder zruck zur Charlotte und ihr a handvoll sonnenwarme Himbeern schenkt. Ganz ohne Würm.

 

 

2. Geschichte:

 

 

Die Knoblauchpresse

 

Hoam konn i nimmer, denkt si der Victor, weil, so wia i gestern mei Fämily behandelt hab, werd ma die des nia verzeihn."

Da Victor is a bsondrer Typ. Er ghört zu de Fledermaus-Leut, zu de Vampir. Sie wohnen in am alten Transformaterhäusl zwischen die Gleis und am Autobahnzubringer, da wo's Brennessel gibt, rostige Trümmer, Glasscherbn und Schutthaufen. 

Aber gestern hat er d'Charlotte kennaglernt. Sie hat si gor net daschrockn, sondern eahm von ihrer Muilch trinkn lassen. Davor graust's ihr so, wia am Victor vor am Glasl Bluat. Danach san's a bißerl umanand gflogn und blöderweis beim Trafohäusl g’landt. Da hat si natürlich am Victor sei Family auf d'Charlotte gstürzt: sei Schwester, d'Fleder-Mausi, sei Mama, die bluatsaure Mari, und sei Babba, der Hohlzahn-Benno. 

Da Victor hat d'Charlotte rausghaut. BATSCH, PENG, WUSCH! Aber er hat net aufpaßt, dass er rechtzeitig in sein Sarg kummt, und in da Früah hat'n d'Sonn dawischt. Des halt doch koa Vampir net aus! Aber der Victor is derart aus der Art gschlong, und, vielleicht war aa de Muilch schuld, jedenfalls, er is am Lebn bliebm, und jetzt is er mit da Charlotte in am Himbeerschlag, am hellichten Sonntag in der Früah. A leichter Wind wadelt durch die dürren Fichten. Sie gehn a Stückl weiter.

"I konn echt nimmer hoam", sagt der Victor. "Was dua i jetzt?"

"Du kanntast bei uns wohna", sagt d'Charlotte, "des wär voll guat ... aber i glaub, es geht do net, weil i nia andre Kinder hoambringa derf. D'Mama erlaubt's net. "

"Und dei Babba?"

"Der is selten da. Fast nia. - Drum is d'Mama aa so stur. Sie sagt, es wachst ihr eh alls übern Kopf."

"Übern Kopf?"

"Ja, übern Kopf. - Mensch, Victor, über unsre Köpf, da is doch der Speicher. Da kanntast du easy wohna! - Und müassast gor net durch's Treppenhaus, du kanntast ja durchs Dachfenster nei- und nausfliang."

"Moanst, daß des hi-haut?" sagt da Victor und kickt a Glasscherbn vom Weg nüber auf an Schutthaufn.

"Des haut voll hi", sagt d'Charlotte, "mei, i gfrei mi scho! ... Ui, schau amoi, da ham's an ganzen Haushalt weggschmissn: A alts Sofa und an Fernseher und a Schubladn aus am Küchenkastn mit Löffel, Messer und Gabeln."

"Mhm", sagt da Victor, "wos isn des für a Teil?"

"Des? Des is a alte Knoblauchpresse. – Lass’ liegn!"

"Warum?"

"Knoblauch is doch nix für Vampire."

Aber da Victor hat de vergammelte Knoblauchpresse scho aufghobn und riacht dro: "Aaah, mhm, mei, so was Guats hab i no nia net grochn."

"Du bist fei scho a komischer Vampir!" lacht d'Charlotte.

Jetzt hört da Wald auf, und a Bahndamm liegt vor eahna. D'Charlotte kennt si wieder aus. Es is gar net weit bis zu ihra hoam. Weil's no so früah is, schlaffan alle no, und drum siecht aa neamads, wia da Victor zum Dachluckn-Fenster naufflattert und einischlupft. Bloß a Nachbarin, die scho auf is, moant, sie hätt a kloane, schwarze Plastiktütn über d'Hauswand naufwadeln sehng.

D'Charlotte hat koa Zeit mehr fürn Victor, weil's zerst mit ihrer Mama frühstücken muass und na Hausaufgaben machen und mittagessen und danach spazierngeh. Sie kemman an a Eisdiele vorbei, aber sie kriagt koa Eis, net amoi a Tüterl mit oana Kugl. 

"Des is net gsund, Charlotte", sagt ihr Mama, "da konnst dir alles Mögliche holn mit so am Eis. I hab's erst neulich glesn. Na, du kriagst koans! Und jetzt hör auf zum Benzn!"

"Na, wia war's heit?" grinst der Victor, wia d'Charlotte endlich auf d'Nacht zu eahm aufn Speicher kimmt. 

"Bescheiden", sagt d'Charlotte, "sehr bescheiden. Aber i hab dir was mitbracht: a kloans Stückerl Knoblauch." 

A bisserl an Schiß hat's scho, weil's net woaß, wia stark des aufn Victor wirken werd. Da Victor riacht an dem Zecherl und werd fast varruckt.

"Genial, mei Charlotte, des riacht genial!" sagt er und dann nimmt er's sogar in Mund und lutscht dro und flippt voll aus. Fünf Minuten lang is er net zum O’redn. Dann holt er sei Knoblauchpresse aus da Hosntaschn und steckt des Knoblauchzecherl nei. Sie glänzt sche, weil er an ganzn Tag lang dro rum polliert hat. - "Und jetzt wär no a Glasl Muilch recht!"

"Da", sagt d'Charlotte.

"Du bist vielleicht oane", sagt da Victor und schaugt's mit seine himmelblauen Augn ganz stark o. "Wie wär's mit am kloana Ausflug, magst?"

D'Charlotte kriagt heiße Ohrn vor lauter Freud. 

Des muaß ma si amoi vorstelln: Von am blau-augaten Vampir-Buam untern Arm gnomma wern und in a warme Sommernacht fliang. Was Schöners gibt's net. Dann sagt d'Charlotte: "Wo fliang ma denn hi?"

"I woaß an netten kloana Friedhof in da Näh."

"So, an Friedhof? - Wenn'st moanst."

Und na schwoabt der Victor sein letzten Schluck Muilch owi, wischt si an Mund und fliagt mit der Charlotte in d'Nacht naus. So sche schaugt alls von oben aus: De Autos auf da Straßn, wia hell-punktelte Schlangenlinien, de blauen Fenster-Fernseh-Liachteln vo die Häuser und die samtdunklen Felder dazwischen. Und da Victor riacht so guat nach Knoblauch und Muilch, daß si d'Charlotte wundern muaß, daß ihr des so gfallt. Direkt schad iss, dass’ so schnell auf dem kloana Friedhof landen. 

"I zoag da mein Lieblingsplatz", sagt der Victor und ziagt d'Charlotte an der Hand im Finstern durch die Büsch und an die schwarzn Grabstoana vorbei. Der Kies knirscht unter ihre Füaß. UHUHUUU! macht's. 

"Des is a kloaner Kautz", sagt der Victor, "der kennt mi scho. - Kimm, sitz di her, da iss so gmüatlich!"

Und recht hot er! Es is wirklich koa schlechter Platz: As Gras is trocken und mit weiche Moospolsterl durchwachsen, an Lindnbaam ham's zum O'lehna, und net weit weg steht a stoananer Engl mit ausbreite Flügel vorm dunkelblauen Himmel, wo d'Sterndl sirrn.

"Wunderbar", sagt d'Charlotte leise, "des hätt i net denkt." Sie faßt an Victor bei da Hand. 

"Hob i euch!" kreischt oane. Es is d'Fleder-Mausi, am Victor sei Schwester.

"Nachspioniert hast uns!" Der Victor is echt zornig.

"Klar hob i des", kichert d'Mausi, "moanst, i laß ma so was Feins wia deiner Freindin ihr Bluat auskemma?" 

"Schwing di, du gschleckerts Luader!" 

"Geh Victor, gönn ma halt a Schluckerl, sei net so!" 

D'Mausi hängt scho am Hals von da Charlotte dro. Der Victor packt sei Schwester am Gnack, aber irgendwie werd er ihr net Herr. Sie is derart gierig, dass' Kraft hat für zwoa. Sie schmeißt d'Charlotte um, und alle drei kugeln zwischen die Grabstoana rum.

"VICTOR!" schreit d'Charlotte. Des is a echter Hilferuf! Da Victor langt in sei Hosentaschn und ziagt die Knoblauchpresse raus, mit am Rest von dem frischen Zecherl, und halt's seiner Schwester direkt unter d'Nasn. 

Jetzt geht's aber los: D'Fleder-Mausi laßt d'Charlotte sofort aus und huast si halberts d'Seel ausm Leib. "Hch, hch, du gscherter Kerl, hch, hch, des sag i am Babba!"

"Macht mir do nix", lacht der Victor, und d'Fledermausi schwingt si.

D'Charlotte rappelt si auf: "Ah, des war knapp! ... I möcht hoam!" 

Der Victor nimmt an Anlauf und hebt mit der Charlotte vom Bodn ab, und alls werd wieder samtweich.

Auf oimoi muaß d'Charlotte kichern: "Des wenn i morgn in da Schui verzähl!"

"Liaber net", sagt der Victor.

"Hast recht, des daaten's ma nia glaubn."

"Mir aa net."

"Wieso?" fragt d'Charlotte, "gehst du aa in a Schui?"

"Wart, i muaß mi auf d'Landung konzentriern. - So, guat iss ganga. - Ja, i geh in die Blutsauger-Lehranstalt Zeckenbiß, a Privatschul im Ebersberger Forst."

"Mei, i woaß ja so wenig über di", sagt d'Charlotte, "du muaßt ma alls erzähln!"

"Morgn", sagt da Victor, "morgn. ... Pfüadi, Charlotte!"

 

 

3. Geschichte:

 

Ketschap für ein Känguruh

 

D'Charlotte und da Victor wohnen seit a Woch mitanand. Sie in ihrm Kinderzimmer, und er heimlich aufn Speicher, weil er nämlich a Vampir is. Aber oaner, der wo koa Bluat net vertragt, sondern auf Muilch steht. Und d'Charlotte is froh drum, na muaß sie's net trinkn, wo's ihr doch so graust, obwohl a Muilch so gsund is, wia ihr Mama immer sagt. Sie hätt vui liaber a Eis, aber des erlaubt ihr Mama net, weil's so ungsund is. 

 

Da Hohlzahn-Benno, am Victor sei Babba, macht si Sorgen um sein Buam. "Wo is er denn einglich?"

"Bei dera Blondn, Babba, bei da Charlotte", sagt d'Fledermausi, am Victor sei Schwester.

"Gfangt hat'sn", schreit de bluatsaure Mari, am Victor sei Muatter, "gfangt hat's mei Kind, und gibt's nimmer her!."

"Ja, so geht's net", sagt da Hohlzahn-Benno, "da müaß ma was dagegn doa: mia müßma an Victor befrein!"

"Richtig, Babba", sagt d'Mausi, "aber des werd er net wolln, weil er voll auf de blonde Tussi abgfahrn is. Und außerdem hat er a gemein gefährliche Waffe: A Knoblauchpresse!"

"Iiiih!" kreischt de bluatsaure Mari.

"De hat er mir neulich unter d'Nasn ghaltn. I bin fast gstorbn!"

"Echt bled", sagt da Babba, "tja, da müaß ma psü..., pschü ..., woaßt scho"...

"Psychologisch vorgeh", sagt d'Mausi, "genau! - Aber da Victor derf gar net mitkriang, daß mir hinter eahm her san."

"Wia soll na des geh?" fragt d' Mama.

"Ma müaßat si verkleiden, daß er oam nimmer kennt."

"Mausi, du bist genial!" Da Hohlzahn-Benno is echt stolz auf sei Kloane.

"I hab gestern nacht was gfundn", sagt d'Mama, "auf an Abfallhaufn. Vielleicht könnt's des brauchn. Es schaugt aus wia a Faschings-Kostüm."

"Zoag her, Mama!"

"Ja, varreck!" lacht da Hohlzahn-Benno, und d'Fledermausi kreischt und kriagt si gar nimmer ei. "A Kängaruh-Kostüm, i glaub, i häng!"

"Probier's amoi glei o, Benno", sagt d'Mama.

"Wieso i?"

"Weil's dei Größ is."

"Des is fei arg eng, wenn ma d'Flügl so zsammfaltln muaß", sagt der Babba, wia er in des Kängaruh neischlupft. "Ah-ah-ah-ah!"

"Jetzt stell di net so o", schimpft d'Mama, "des is alls für unsern Buam!"

 

Da Bua sitzt grad auf dem dampfigen Speicher, wo er bei da Charlotte unterbracht is. D'Sonn brennt gnadenlos aufs Hausdach. 

Jetzt waar a Schluck Muilch recht, denkt da Victor, a schene kalte Muilch ausm Küchlschrank. - Weil er jeden Tag an halbn Liter trinkt, kann er inzwischen as Tageslicht ganz guat aushaltn. - Er bräuchert si jetzt gar net so leise in d'Küch owi-schleichn, weil d'Charlotte in da Schuil is, und ihr Mama in am Großraumbüro sitzt mit tausend Computer, alle voll vernetzt. Sie hätt liaber an andern Job, aber des is im Moment net drin. 

Da Victor daschrickt voll, wia er im Kühlschrank a große Flaschn mit am bluatrotem Saft steh siecht. - Na, des hätt er nia vo da Charlotte und ihrer Muatter denkt! Des san doch Menschen und koane Vampir. De wern doch net a Bluat im Kühlschrank ham, oder? 

"K-e-t-sch-u-p", liest er. Wos is'n des? Dann schraubt er an Deckel runter und probiert. Da helle Wahnsinn! Des schmeckt ja hinreißend, oberguat schmeckt des! - Da geht da Schlüssel in da Tür, und da Victor verkriacht si blitzschnell unter da Eckbank. 

Es is d'Charlotte. Sie schmeißt ihr Schui-Mappn in Gang, rennt in d'Küch und packt was aufm Tisch aus. "IIHH!" schreit's, wia aufoimoi unter ihr a paor Flügel wadeln, so glänzad wia a schwarze Platiktütn. "Hast du mi daschreckt, Victor! ... Aber schau moi, was i mir kafft hob - vom Taschengeld: A Eis! - Aber sag fei nix da Mama!"

"Nia!" sagt da Victor, "i werd mi hüatn. - Was isn des, a Eis?"

"Probier! Des is Vanille, und des Marakuja, da is Torrontschino, Himbeer und Schoko, und des grüne da, des is Pistazien."

"Ober-ober-guat!" sagt da Victor, und na schleckern's des Eis mitnand, langsam und mit viel Genuß. 

"Ketschup", (bitte wie geschrieben sprechen ) sagt da Victor, "es müaßt aa no a Ketschup-Eis gehm und oans mit Knoblauchgeschmack. Des geht echt ab!"

D'Charlotte muaß zuagebn, daß des net ohne Reiz wär. 

"Der Ketchup, des waar doch was für mei Mama", moant da Victor auf oimoi, "da daat sa si riesig drüber gfrein, moanst net?

"Sag, ziagt's di wieder hoam?" fragt d'Charlotte.

"Scho", sagt da Victor, und dann druckst er rum: "Äh, magst mitkemma? .... Fürchtst di net?"

D'Carlotte schüttelt an Kopf. 

Da is da Victor voll froh: "Glei heut abend, was moanst?" 

 

Auf d'Nacht, wias dunkel werd, packen sie's. Wia's grad vom Speicherfenster aus startn wolln, sagt d'Charlotte: "Halt, wart amoi! Da druckt si wer in unserm Vorgartn rum."

"Wo?" fragt da Victor.

"Da, bei de Rosnbüsch. - Jessas, des is ja a Kängaruh. I glaub, i spinn!"

Am Hohlzahn-Benno, am Babba vom Victor, geht's net guat: So eng iss in dem Kostüm, und er hat den ganzn Weg über de Gleis und den Autobahnzubringer hupfn müssn, statt fliang, wia er's gwohnt is. Eahm iss hoaß, er schwitzt si halberts z'dot, und irgendwie kimmt er si selten bled vor!

Da fragt da Victor d'Charlotte: "Is a Kängaruh was Gfährlichs?"

"Einglich net, aber es ghört eher nach Australien und net in unsern Vorgarten. Vielleicht iss ausm Tierpark auskumma."

"Des arme Viecherl", sagt da Victor, "dem müassma helfn!" 

Und na schwingt er si mit da Charlotte vom Speicherfenster owa. D'Charlotte hat de Ketchap-Flaschn, as Mitbringsl fürn Victor sei Mama, in da Hand. 

"Kängaruhle", sagt da Victor leise und streichelt's, "was duastn da? Wo ghörst'n hi?" 

Da werd er vo dem Kängaruh packt, aber scho so, daß eahm glei d'Luft wegbleibt. "HILFE!" 

D'Charlotte boxt des Kängaruh mit da Ketschap-Flaschn in d'Seitn. 

"UFF!", macht des Kängaruh, "Bluat von da Katz!"

"Babba", schreit da Victor, "Babba, des bist ja du!"

"Klar bin i's!" schnauft da Hohlzahn-Benno, "wer denn sunst?" Und reißt si des blede Kängaruh-Kostüm runter. "Jetzt werd hoamgflogn. - Du gehst uns fei echt ab, Bua!"

"Seid's nimmer bös auf mi?"

"Awo!"

Da Victor lacht. ... "Babba, und des is d'Charlotte!"

"Aha! - Angenehm, Benno Hohlzahn!"

"Grüß eahna, Herr Hohlzahn. - S'tuat ma fei voll leid wega dem Stessara mitm Ketschap."

"Was?"

"Ahja, Babba", sagt da Victor, "Ketschap, des is so was Guats, und des wollt ma da Mama mitbringa. Wir warn grad aufm Weg...."

"Ja, sowas", lacht da Benno, "da hätt i mir de saudumme Hupferei darsparn könna. - Und du fürchtst di net vor am Bsuach bei uns, Charlotte? - Na, net? - Mir wern guat aufpassen, gell, Victor, daß ihra nix passiert. - Kemmt's, mir fliang hoam und machan uns an schena Abnd."

Und des ham's do. Sie san alle mitnand im Trafohäusl ghockt, ham den Ketschap gschlecktert und voll Spaß ghabt. 

Bloß d'Fledermausi war sauer, weil's da Charlotte net an Hals hi-derfa hat. 

 

 

4. Geschichte:

 

Die Eisdiele

 

D'Schuil hat scho lang wieder o-gfangt, und aa da Victor muaß hi-geh, obwohl er a Vampir is. Sei Schuil is die Bluatsauger-Lehranstalt Zeckenbiß, a Privat-schuil im Ebersberger Forst. 

"Voll ätzend, de Schuil!" sagt da Victor zur Charlotte, wia er's an am Samstag vormittag bsucht. 

De zwoa machen si's obn aufm Speicher gmüatlich; im Kinderzimmer iss net sicher gnua, weil da Charlotte ihr Mama oiwei nei-rumpelt ohne o-z'klopfn. Und überhaupt is's zur Zeit net guat drauf, weil ihra der Job im Computer-Großraumbüro voll stinkt.

 

"I hab da was mitbracht", sagt da Victor.

"A Eis!" schreit d'Charlotte, "mei, des is aber liab von dir!" - Sie is ganz wuild drauf, aber sie muaß' heimlich schleckn, weil ihr Muatter dagegn is. 

"A Eis is sowas von ungsund", sagt's immer, "da wenn i di amoi dawisch!" 

"Victor, vazähl ma vo deiner Schuil", sagt d'Charlotte. "Habt's ihr zum Beispuil aa Mengenlehre?"

"Klar", sagt er, "mit rote und weiße Blutkörperchen. De müassma unterm Mikroskop zähln. Mir flutschn's oiwei weg, i kriag's nia auf d'Reih. - Und heit hamma Aufsatz ghabt: Blutproben-Beschreibung."

"A grausigs Thema", sagt d'Charlotte.

"Kann ma woi sagn. - Aber wenigstens haun mi die andern Vampir in da Pause nimmer", grinst da Victor und ziagt sei Knoblauchpresse aus da Hosentaschn. "De kenna's nämlich net riachn, des feige Fledermaus-Gschwerl."

"Aber du scho", lacht d'Charlotte, "du bist da schrägste Vampir, den i kenn."

Und des stimmt, da Victor is voll aus der Art gschlagn: Er konn nämlich koa Bluat net sehng, da hat er a Allergie dagegn. Aber Gottseidank vertragt er a Muilch, deswegn is er sogar tageslicht-restistent, des hoaßt, wann d'Sonn scheint, duat's eahm nix. Mit an jeden andern Vampir waar's do aus! - Deswegn kriagt er immer da Charlotte ihr Muilch zum Trinkn, an halbn Liter pro Tag. Und sie is sowas von froh, weil's ihra davor so graust. 

"Des derf mei Mama nia mitkriang, daß i de net selber trink", kichert's.

"Und mei Muatter konn mi bald nimmer riachn", lacht da Victor und preßt si a bißerl an Knoblauch in sei Muilch, "i stink ihra so."

D'Charlotte kriagt an Lachkrampf und wälzelt si am Bodn, und da Victor flattert vor Vergnügen zum Firstbalken nauf und hängt si umkehrt dro. --

"Wos isn da los?" 

"Mama!"

"Ja, sag amoi, Charlotte, mit wem lachst'n du?"

"Mit neamds!" - D'Charlotte konn grad no des Eispapierl in a dunkles Eck schiam.

"Lüag mi net o - und wer is na des?" sagt's und zoagt aufn Victor, der wo fledermaus-mucks-mäuserlstaad umkehrt an seim Balkn hängt. "Da hört si doch alls auf!"

"D-d-des is da Viktor", stottert d'Charlotte, "der hat ma grad an Bauchaufschwung zoagt. Woaßt, Mama, des hamma grad im Turnen, und i konn des net..."

"So", sagt d'Mama, "des soll i glaubn? - Und jetzt schwingt's euch alle zwoa. - I brauch no a Zeitung, de könnt's ma bsorgn. ... Hängt da rum wiara schwarze Plastiktütn", grantelt's no und ziagt wieder ab.

"Puh, des war knapp!" sagt d'Charlotte. "Geh ma! - I leih dir mei Jeansjackn, daß ma deine Flügel net siecht." 

Sie laufen mitnand zum Kiosk. D'Charlotte kafft a Zeitung und a Eis, und da Victor spuilt si mit am Lottozettel rum und kreizelt sechs Kastl o. 

"Des macht 4 Mark 35", sagt de Frau. Jetzt schaugt da Victor bled.

"Des spendier i dir", sagt d'Charlotte. "Was daat's da denn kaffn, wenn'st gwinnst?"

"A Eisdiele", sagt Victor, "a ganze Eisdiele nur für di alloa."

 

Auf d'Nacht sitzt d'Charlotte mit ihrer Mama vorm Fernseher. Sie schaugn si d'Lotto-Ziehung o. Oa Kugel nach der andern rollt außa, und oa Zahl nach der andern is haargenau de vom Victor sein Zettel. Sechs Richtige! Da Ober-Wahnsinn! 

D'Charlotte kriagt an Schluckauf. "Mama, hhgg, Mama, mir ham, hhgg, gwunna!"

"Spinn di aus!"

Aber dann werd d'Frau Weber, so hoaßt da Charlotte ihr Muatter, a poar Tag später von der Lotterie-Verwaltung benachrichtigt, daß jemand vorbeikumma werd. 

"Bittschön, kommen'S rein ins Wohnzimmer!" sagt d'Mama.

"Herzlichen Glückwunsch zu Ihre sechs Richtigen, Frau Weber!" 

"Na, net die mein, es san die von meiner Tochter!"

"Na", sagt d'Charlotte, "es san die vom Victor."

"Na, Sie werden sich schon noch einig werden. - Bitte, Ihre Unterschrift ... soo ... und hier ist der Scheck über fünfhunderttausend Mark."

"A halbe Million!" haucht d'Mama und bringt den Herrn mit weiche Knia zur Haustür. Wia's wieder zruck kummt, steht da Victor neba der Couchgarnitur.

"Mama, mir möchten a Eisdiele!" sagt d'Charlotte. Da Victor sagt nix, er lächelt bloß, damit ma seine spitzn Zähn net siecht. 

Des is aber a bescheidener Bua, denkt si d'Frau Weber, obwohl er ausschaut wia a Pank. So ganz schwarz mit helle, abgsäbelte Haar.

"Na, na", sagt d'Mama, "a Eisdiele kummt gar net in Frage!"

Aber dann sagt da Victor doch was, und zwar ernsthaft: "Frau Weber, das wär doch die Gelegenheit für sie, aus ihrm blöden Job rauszukommen. Wir, die Charlotte und ich, bräuchten nämlich eine Geschäftsführerin. Verstehen Sie?"

Da Charlotte ihr Mama versteht. Sie kriagt ganz glasige Augn und stellt si vor, daß' nimmer in dem Großraumbüro hockn muaß, und wia's des Eis selber machn daat, ganz ohne Bakterien, aber mit vui gsunder Muilch. Und na sagt's ja.

Zur Eröffnung san alle herzlich eingladen, bsonders die Kinder. Es gibt a Riesen-Super-Party. -  D'Frau Weber strahlt: Des is as richtige Lebn: D'Leut san ganz varruckt auf ihr guats Eis und ganz narrisch auf den junga Oberkellner. "Wann er nett so nett waar und a so a gsunde Gsichtfarb hätt, kannt ma moana, er waar a Vampir", hoaßt's.

D'Charlotte steigt auf an Stuhl. "Meine Damen und Herrn, liebe Kinder", sagt's, "und jetzt darf ich Euch die Spezialität des Hauses vorstellen. Es ist eine Erfindung von unserm Victor und eine Weltneuheit: Knoblauch-Eis mit heißem Ketschap! 

Des hat ei-gschlagn! D'Leut warn furchtbar neigierig und ham's probiern wolln. Und san voll drauf abgfahrn! - Erst kurz vor zwölfe auf d'Nacht san's hoamganga.

"Und jetzt sitz di hi, Mama", sagt d'Charlotte, "mir ham no a Mitternachts-Überraschung für di."

"Aber net daschreckn, Frau Weber", sagt da Victor, "es is bloß mei Fämily."

Und na schlagt's Zwölfe, und de Vampir fliang ei. HUUI - WUSCH - HUHU!

D'Frau Weber moant, sie trifft da Schlag, wia da Hohlzahn-Benno und de bluatsaure Mari über ihr rumflattern. D'Fledermausi, am Victor sei Schwester, führt si wieder amoi arg auf: Fahrt doch glatt da Frau Weber an Hals hi. 

"Bluat von da Katz, Mausi, benimm di!" sagt da Hohlzahn Benno. "Mir san do net bei uns dahoam."

"Frau Weber", sagt de bluatsaure Mari, am Victor sei Mama, "Frau Weber, mir san Eahna fei arg dankbar, daß Sie mit unserm Viktor zrecht kumma. - Ma hat's scho net leicht mit dem Buam. Sowas von ungradn!

"Im Gegenteil!" sagt d'Mama. "I find an Victor ausgsprochen wohlerzogen - Darf ich Ihnen jetzt die Spezialität des Hauses anbieten?"

"Nur zua!" sagt da Hohlzahn Benno, und dann sitzen de drei erwartungsvoll an ihm Tischerl. Wia d'Charlotte des Knoblauch-Eis mit heißem Ketschap bringt, springan de Vampir auf, daß d'Stühl umfalln und aufn Bodn krachen. D'Mausi huast wia bled, die bluatsaure Mari macht an Dreifachsalto rückwärts und da Hohlzahn Benno packt sei Fämily, und dann machen's die Fliege. ZISCH! 

"So schnell wia de draußn warn, hat ma gar net schaugn kenna", kichert d'Charlotte. 

"Mei", sagt d'Mama, "des duat ma jetzt aber leid. Des war a Mißverständnis!" 

"Mit Vampir muaß ma si halt auskenna", lacht da Victor, "de san net alle so wie i!"

 

 

5. Geschichte

 

Besuch aus Amerika

 

"Post, Post," schreit d'Fledermausi, "a Post is kumma!"

Des is echt selten, daß a Brief in dem alten Transformaterhäusl landt, des wo draußen vor da Stadt zwischen Bahngleis und Autobahnzubringer steht. Da wohnt am Victor sei Vampir-Fämily. Was hoaßt da wohnt? Sie hausen halt, so wia's ehana daugt, aber mit dem Brief is alls ganz anders worn...

 

Da Hohlzahn-Benno, am Victor sei Babba, draht den Brief um und um, riacht dro und sagt zu seiner Frau: "Mari, hast du mei Bruilln gsehng?" 

"Gib her, Bappa!" sagt d'Fledermausi, am Victor sei Schwester. "Hint drauf steht: Absender: John Bätmän, Behind the Woods 153, U.S.A".

"Kenn i net", brummt da Hohlzahn-Benno, "wer soll'n des sei?"

"Ja, doch", sagt de bluatsaure Mari, am Victor sei Muatter, "oaner aus deiner Verwandtschaft is doch auf Amerika ausgwandert."

"Ja, richtig!" sagt da Benno, "da Hanse, mei Bruader. Des is aber scho zwoahunder Jahr her."

"Mach auf, Bappa!" sagt da Victor. "Lies vor!"

Umständlich schlitzt da Benno mit seine langa Fingernägel s'Kuvert auf.

"Dear Benno!" liest er, "how are you? - I send you mein Neffju, an Buddy Bätmän, weil der hat no Hollidays und mecht nach Jurop. Er rettet gern alle Leut, da muaßt fei a bißl aufpassn! Aber er moant's net bös. 

Also, herzbluatige Vampir-Grüße von deim Bruder Hans."

"Jetzt sowas!" sagt da Benno fassungslos und kratzt si de poar Fluserl, de wo er no als Haar aufm Kopf hat.

"Juhu!" schreit d'Mausi, "wann kummt er denn, da Baddy?"

"Ankunft null Uhr drei, heit nacht, Airport."

"Da pressiert's", sagt Victor, "jetzt iss scho Null Uhr zwei." 

Wia de g'ölten Blitz schiaßt de Vampir-Fämily in d'Nacht naus, von da Weitn schaugn's aus wia schwarze Plastiktütn, zwoa große und zwoa kloane, und aufm Flughafn wundern sa si im Tower, was da direkt in die Einflugsschneise nei-zischt.

 

"Achtung, Ankunft Flug Nummer vier-zwo-neun, null Uhr dreizehn, von New York über Amsterdam, mit 10 Minuten Verspätung."

"Wia schaugt er denn einglich aus," fragt d'Mausi, "da Baddy Bätmän?" 

"Groß und stark und toll, was sunst?" sagt da Victor.

Aber so oan sehng's net. Sie wartn und wartn, bis alle Leut ganga san, und na bleibt bloß no oaner übrig, so a Krischperl, des wo auf seim Koffer in da Ankunftshalle hockt.

"Servus, Baddy!" sagt da Victor so nebenbei und probehalber.

Da rührt si des Krischperl: "Hi! Nice to meet you!"

"Ha?" macht da Hohlzahn-Benno.

"Des is er", sagt da Victor, "er gfreit si, daß er uns mietet, ah, trifft, moan i."

"A bißl kloa grodn is er", moant de bluatsaure Mari, "ob er überhaupts fliang ko?"

"Kän ju flei?" fragt da Victor, "kannst du fliang?"

"Sure", sagt da Buddy, macht sei Kofferl auf, ziagt an blauseidnen Umhang mit rote Streifen und weiße Sternderl raus und wirft si'n über d'Schulter. Und auf oimoi - schaugt's eahm o! - werd er größer. Es ziagt eahm an Meter in d'Höh und an halben in d'Breitn, Muskeln wachsen eahm überall wia d'Schwammerl, seine brauna Augn blitzen, er grinst breit und sagt: "Let's fly. Up, up and away, aber glei!" In dem Zustand konn er sogar Bayrisch!

Na kumman's hoam in ihr alts Trafohäusl. Bis jetzt warn's ganz zfriedn damit: D'Wänd san in am angenehmen Dunkelgrau, und d'Ecken zart mit Spinnweb verschleiert. Weiche Staubflusen verteiln si flockig übern Teppich, und an Haufn Kisserl liegn auf de raus-ghupftn Sprungfedern von eahnam altn Sofa. De Obstkistl-Regale von da bluatsauren Mari ihrer Oma san zwar a weng schief, aber echt antik. Daß im Schlafzimmer vier alte Pappadecklschachteln als Schlafsärge herhalten müssen, hat bis jetzt no koan gstört. Aber auf oimoi schaugt alls so obi-perlt aus, obwohl da Buddy freundlich sagt: "Romantisch! - Echt gemutlich!" Aber sie spürn, daß des net stimmt. Er hat si gwiß was Bessers vorgstellt. 

"Morgn werd putzt!" knurrt d'Mama. - "Und wo kriang ma jetzt an Gästesarg her, so auf die Schnelle?"

Des woaß koaner, und drum sagt da Victor: "Da Baddy konn ja in meiner Schachtl schlafn."

Da Buddy moant, des kannt er net o-nehma, und wo nachad da Victor schlafat, weil, des waar doch net ungfährlich. A jeder Vampir muaß nämlich bei Tageslicht in seim Sarg liegn, oder was er halt sunst dafür hernimmt. 

Da Victor sagt: "Alles o.k.!" Eahm macht nämlich d'Sonn nix aus, weil er allweil a Muilch trinkt. Aber na stinkta eahm doch, wiara den ganzn Tag drauß rumhänga muaß. 

Zerst schaugt da Victor in da Eisdiele vorbei, aber d'Charlotte, sei Freindin, is heit net da, bloß d'Frau Weber, ihr Muatter. Er kriagt a Tüterl Knoblauch-Eis, sei Lieblingssorte, aber des is bald gschleckt, und na muaß er si was Neus eifalln lassen. 

I kannt zu dem Himbeerschlag nübergeh, denkt si da Victor, da wo i und d'Charlotte so glücklich warn. Vielleicht gibt's no a poar Himbeern. Aber de san scho vorbei, und irgendwelche Umwelt-Drecksäu ham ihrn ausrangierten Cämpingwagn mittennei gstellt. So a runde 50-er Jahr-Blechschachtl, halberts durchg'rost. Da Victor steckt sein Kopf durch d'Tür. Huh, da riacht's stark! De Vorhängerl san schwarz vor Dreck, und da Bodenbelag schimmelt, aber da muaß da Victor grinsen: Schimmel is nämlich seiner Mama ihr Lieblingparfüm. Ma konn ihr zum Geburtstag allweil a Freid mit am starken Schimmel-Düfterl machen. 

Wia's scho aufn Abnd zuageht, fliagt er wieder zruck zum Trafohäusl und hört scho vo da Weitn sei Fämily schnarchen. - Aber was is denn des? Was hängt denn da zum Fenster raus? - Des is am Buddy sei Umhang, den wo er übertags zum Lüften nausghängt hat. Und weil der doch blauseiden mit rote Streifen und weiße Sternderl is, schaugt er fast wia de amerikanische Flagge aus. A poar Leit ham aa scho beim Elektrizitätswerk o-grufn, seit wann denn des alte Trofohäusl de Amis ghört.

"Jessas, ja, des Häusl", hoaßt's, "des hätt ma beinah vagessen. Des lass ma glei heit no abreissn."

Da Victor hockt derweil hinterm Brennesselbergerl von eahnam Häusl und ärgert si, daß d'Zeit so langsam vageht. Er daschrickt net schlecht, wiara an Bagger o-rolln hört, und wia der direkt vorm Trafohäusl steh bleibt, d'Scheinwerfer aufblennt und d'Abrißbirne draufzua schwenken laßt. 

PA-WUMM! duat's an ersten Schlag.

"Mama!" schreit da Victor, "Mama, Bappa!"

Da steckt da Buddy sein Kopf beim obern Fenster raus, checked kurz die Lage, und ruaft: "Keine Angst, ich werde euch alle retten!" Und na ziagt er sein Umhang o, blast si auf wiara Maikäfer und greift pfeilgrad die Abrißbirne o.

"So a Schmarrn!" schreit da Victor und fliagt beim obern Fenster ins Schlafzimmer nei. "Mama, Bappa, Mausi!" schluchzt er, "aufsteh, aufwachn!" Er reißt de Pappadeckl-Schlafschachteln auf, aber es is no a weng z'früah für seine Vampir-Leut. Sie san stocksteif und einfach no net lewentig. 

PA-WUMM! duat's an nächsten Schlag, und da haut's an Buddy samt da Abrißbirne durch d'Wand mit durch. 

"Huilf ma, du Depp!" schreit da Victor, aber da Buddy schaugt'n bloß o wiara Schwaiberl und na haut'sn zsamm.

"Der aa no!" stöhnt da Victor. "Jetzt muaß i alle ganz alloa retten." 

Verzweifelt greift er si oan nachm andern und schloaft's hinter's Brennesselbergerl.

PA-WUMM, PA-WUMM! De Ziegel vom Trofohäusl spritzn ausanand, da Staub steigt wiara rote Wolkn in d'Höh. 

"Des war's nachat", sagt da Victor, und wischt si an Schweiß ob. Er is fix und fertig, aber todfroh, daß er sei Fämily heil und gsund aus dem Schlamassl rausbrocht hat.

"Hatschi!" Da Hohlzahn-Benno wacht auf: "Wo bin i denn?"

De bluatsaure Mari und d'Fledermausi rührn si aa: "Was is'n los?"

Da Buddy macht d'Augn auf und sagt: "Keine Angst! Ich habe euch gerettet!"

Da kriagt da Victor an Lachanfall, er derfangt si gar nimmer.

"Spinnst jetzt?" sagt d'Mausi.

"Hat's di vom Boa weg?" fragt da Hohlzahn-Benno.

"Mei, Bua", sagt d'Mama, "mit dir hat ma allweil seine Sorgen. - Mitm Buddy net, an dem sollt'ast da a Beispuil nehma!" 

 

 

6. Geschichte

 

Die Welt retten

 

Seit oaner Woch is da Buddy Bätmän aus Amerika da. Er is am Victor sei Cousin, und er hat an Hau: Er moant, er muaß alles retten. Des nervt ziemlich! Irgendwie war er aa dro schuild, daß des alte Trafohäusl, wo am Victor sei Vampir-Fämily ghaust hat, abgrissen worn is. Und seitdem wohnan's alle mitnand in am verschimmelten Cämpingwagn, den wo da Victor im Himbeerschlag gfunden hat. 

 

Jetzt hockt er auf der verrosten Anhängerkupplung und is sauer: Alle ham's an Riesenspaß mitm Buddy, bloß er kann mit dem Kerl nix o-fanga. Am Victor sei Mama, d'bluatsaure Mari, is ganz weg, weil ihr da Buddy beim Abtrocknen hilft, und si jeden Tag seine Schua selber putzt, und da Hohlzahn-Benno laßt si stundenlang vo seim Bruader in Amerika vazähln, und wie vuil Geld der macht. Und mit da Mausi, seiner Schwester, iss ganz aus: Sie findt an Buddy ober-sjuper, und is total auf eahm abgfahrn. Dauernd is der Platz vorm Spiegel bsetzt, weil's jetzt oan auf Körperpflege macht, und sogar ihre Zehennägel lackiert: Dunkelgrün mit Glitzer. Schaut echt verboten aus, findt da Victor.

"Was'd bloß mit dem Baddy hast?" sagt er. "Ohne sein Umhang is der so kloa mit Huat, daß er unterm Teppich Fallschirmspringa kannt." 

Des stimmt. Ohne sein blauseidnen Umhang mit de roten Streifen und de weißen Sterndl is da Buddy a ausgsprochens Krischperl. Aber mit is er da Buddy Bätmän: 1 Meter 89, 75 Kilo und an Haufen Muskeln. 

D'Mausi rauscht rauscht am Victor vorbei: "Für di hab i überhaupts koa Zeit net, verstehst! Da Baddy und i müassn nämlich die Welt retten."

"Die ganze Welt?"

"Ja. - Und i hab ma ausdenkt, wia's geht: indem daß ma alle Leut zu Vampir machen."

"Aber des derf ma do net!"

"Warum na net? - Morgn fang ma o!"

 

Ganz durchanand fliagt da Victor zur Eisdiele von da Charlotte, de wo sei Freundin is. Ihr Mama, d'Frau Weber, freut si, wia's an Victor siecht. 

"Was magst'n? - Ah..., blede Frag! - A große Portion Knoblauch-Eis mit heißem Ketchup, gell?" 

Da Victor nickt. "Is d'Charlotte net da?"

"Doch, schau, da kummt's ja scho."

Am Victor werd's glei besser. D'Charlotte is so leicht auf de Füaß und hellhaarat mit am feinen Gsicht und liabe Augn.

"Victor", sagt's, "wo warst'n so lang? - Bist ma fei echt obganga."

"Mei, mir ham an Bsuach kriagt, woaßt scho. An Cousin aus Amerika, an Baddy. Und seitdem der da is, spinnan's alle. Und jetzt wolln er und d'Mausi sogar die ganze Welt retten."

"Is ja einglich net falsch, oder?" sagt d'Charlotte. 

"Na, aber sie wolln alle beißen, verstehst?"

"Na", sagt d'Charlotte, "wieso?"

"Wenn ma als Vampir an Menschen beißt, und net ganz aus-zutzelt, sondern am Lebn laßt, dann muaß so a Mensch a Vampir werdn. Und a Welt voller Vampir is die Rettung, moanan's."

"Moanan's", sagt d'Charlotte. "Aber des is doch langweilig!" 

"Langweilig?" sagt da Victor verblüfft.

"Ja! - Wann zum Beispuil alle Vögel bloß no Amseln waarn, des waar doch langweilig. - Stell da vor, bloß no schwarze Vögel, koa andre Farb. Koa lustiger Spatz, koa Rotkehlchen, des so leucht, koane hupfaten Meiserl, blau und gelb, und des Singats vo alle. Es gibt ja no vuil mehra Vögel, als wia ma jetzt eifalln. Aber des konn doch koa Rettung net sei, wann me de alle zu Amseln machat."

"Du moanst, a jeder sollt so sei und wern derfn wiara selber is?" fragt da Victor aufgregt.

"Genau", sagt d'Charlotte, "des hätt i jetzt net schöner sagn könna! - Du als Vampir bist ja aa a ziemlich schräger Vogel, oder net?"

Da Victor holt tiaf Luft und fangt as Lachn o. 

"Was is'n so lustig?" fragt d'Frau Weber, wia's as Knoblaucheis bringt.

"Daß mehra Sorten gehm muaß", grinst da Vicor.

"Eis?"

"Na, Leut!"

D'Frau Weber versteht Bahnhof, aber des macht nix. 

"Und was dua i jetzt?" fragt da Victor d'Charlotte. "Morgn abnd wolln's as Beißen und Weltverbessern ofanga." 

"Mir müassn mit eahna redn," sagt d'Charlotte, "kumm, fliang ma glei hi!"

 

Mitten in der Nacht fliang's zum Himbeerschlag. Aber no jemand anders is dohi unterwegs: A Tiger, a dürrer, dreiviertelt-verhungerter Tiger. Er is am kloana Zirkus auskemma, der in in der Näh sei schäbigs Zelt aufbaut hat. Und genau jetzt schleicht si der Tiger, flach am Boden duckt, auf den Campingwagn o, von wo's so interessant her-riacht. Er hat no nia net Vampir grochen, aber daß ma de aa essen ko, des gspürt er. Und er hat ja so an Hunger! Seit vierzehn Tag hat er nix mehr ghabt, weil seim Zirkusdirektor s'Geld ausganga is, und er vom Metzger nix mehr kriagt. Bloß no Knochen, aber die kann der alte Tiger nimmer dabeißn, weil eahm alle Zähn so wackeln. Er kann bloß no zutzeln, a scheens, warms Fleischerl auszutzeln. UUAAHH! (Mit leiserVorfreude brüllen.)

Hinterm Campingwagn treffen d'Mausi und da Buddy ihre letzten Vorbereitungen zum Weltretten. Da Buddy legt si sein Umhang um und bumpt si auf wiara Maikäfer: D'Muskeln schiaßen eahm grad so raus wia d'Schwammerl, und es treibt eahm hoch auf an Meter 89.

"Wen solln ma zerst retten?"

"I woaß jemand", sagt d'Mausi: "D'Charlotte! De werd zerst bissen, ah, grett, moan i. Gell, de derf i retten?"

Da Buddy is großzügig: "O.k., Ladies first!" 

"Auf los geht's los!" lacht d'Mausi und wuil scho hoch-flattern.

Da Tiger peitscht mit seim Schwanz und konzentriert si auf den größten Happen, auf den im blauseidnan Umhang. Dann setzt zum Todessprung o: UUAAHH! 

Er reißt's Maul auf und beißt zua.

UUAAHH! (schmerzhaft)   Seine wacklerten Zähn dean eahm so weh! 

"Baddy!" kreischt d'Mausi im schieren Entsetzen.

Der Tiger zutzelt a weng, aber es schmeckt nach nix, bloß nach Stoff. 

Da rauscht was von obn runter und haut eahm aufn Schädel nauf, daß' bloß so schallert, und am Tiger schwarz vor de Augn werd. 

Ja, des war da Victor, der eahm an Schlag aufn Deckel gebn hat. 

Und d'Charlotte reißt d'Mausi sofort aus der Reichweite vom Tiger seine Kralln. Da Victor fesselt des daasige Viech mit da bluatsauren Mari ihrer Wäscheleine, und dann ziagt er den Umhang vom Buddy ober. Er fürcht si a weng davor: Wia werd der arme Kerl bloß zuagricht sei? 

Da Buddy liegt zu am Krischperl zsammgschnurrt am Bodn. Und genau des war sei Rettung! Da hat da Tiger nämlich gar nix von eahm dawischt.

D'Mausi zittert wia a Kuahschwanz, und d'Charlotte halt's fest und tröst's: "Is ja scho wieder guat, is ja scho wieder vorbei."

Da Victor hilft seim Cousin auf d'Füaß. 

"Des war fei echt knapp!" sagt da Buddy, "thank you - i moan: Dank da sche!" Und na schüttelt'sn: "So is des also, wenn ma aus-zutzelt wern soll." 

"Hm", sagt da Victor, "i glaub, du machst amoi a Pause mitm Weltretten. Des wär gscheiter."

"Und gsünder aa", grinst da Buddy tapfer.

Und dann ham er, da Victor und d'Mausi den gfesselten Tiger zum Zirkus zruckflogn und neba sein Käfig hi-glegt. D'Charlotte hat derweil a kloans Feuerl gmacht. So schee war's nachat, wia's zu viert drumrum gsessn san und neigschaugt ham in d'Gluat und naufgschaugt zu de Stern, die genau so gleucht ham: Voller Lebn, und a jeder anders und auf sei eigne Art.

 

 

7. Geschichte

 

Eifersuchten

 

D'Mausi, am Victor sei Vampir-Schwester, liegt mitm Bauch am Bodn und woant. Grad steßn duat sie's. Ihre schwarzn Fledermausflügerl flappen, sie ham allen Glanz verlorn.

"Ja, Kind", sagt ihr Mama, die bluatsaure Mari, "ja, Kind, was hast'n?"

"Meng duat er mi nimmer", schluchzt d'Mausi.

"Wer?"

"Da Baddy. - Er hat si in d'Charlotte verknallt."

"Der Depp!" sagt d'Mama. "Magst vielleicht a Stückl Wepsendaatschi mit Zwetschgen?"

"Na-ha-ha-ha!" woant d'Mausi.

Ärgerlich fangt d'Mama a poar Wepsn, de wo übern Daatschi surrn. 

"Da", sagt's, "de san guat, wia fliagate Weinberl. - De hast doch früahrer immer meng."

"I mag an Baddy und sunst nix, Mama!"

 

Da Buddy Bätmän, am Victor und da Mausi eahna Cousin aus Amerika, treibt si jetzt jeden Tag in da Eisdiele rum, und des paßt am Victor aa net.

"Was du bloß an dem Kerl findst?" sagt er zur Charlotte, die wo einglich sei Freindin is. Bis jetzt war sie's wenigstens. - "A Krischperl is er, a O-geber! Seit eahm da Tiger aus dem Zirkus sein Umhang zrissn hat, kann er nimmer fliang, stell da vor! Er hat selber gar koane eignen Flügel".

"Ja", sagt d'Charlotte, "fast wia a richtiger Mensch." 

"Und i bin bloß a bleder Vampir, ha?"

"Geh, Victor, du nervst heit! - Hör zua: Da Buddy und i wolln den kloana Zirkus retten, der wo auf da Schäferwiesn steht. Der Tiger is vor Aufregung neulich leider gstorbn, und jetzt geht neamds mehr hi. Morgn muaß da Zirkus furt, weil's net amoi d'Standplatz-Gebühr zahln könna. - Hast du vielleicht a Idee?"

"Null Ahnung!" raunzt da Viktor.

"Hi!" sagt da Buddy, der wo grad in d'Eisdiele rei-kimmt. "Hi, Charlotte-Darling!" Und gibt ihr zwoa Bussi. Oans links und oans rechts.

Da haut da Victor sofort ab. Den Krampf halt ma ja im Kopf net aus! Er is so durchanand, daß er si beim Hoamfliang den linken Flügel verstaucht. Und dann merkt er, wia eahm a Wimmerl aufblüaht, so a groß rots, mitten auf da Nasn. Des aa no, denkt er si, da brauch i mi bei da Charlotte echt nimmer blicken lassen. Flügellahm und deschperat hockt er neba da Mausi auf da Kautsch, in eahnam vaschimmelten Wohnwagn, und is genauso eifersüchtig wie sei Schwester, aber des daat er nia net zuagebn, nia!

"Was duast'n da?" rempelt er's o. "Du werst doch net dem bleden Umhang von dem bleden Baddy flicken." 

"Halt di raus", sagt d'Mausi, "des geht di nix o!" 

Sie hat den zrissnen blauseidnan Buddy-Bätmän-Umhang mit de rotn Streifen und de weißen Sterndl in de Himbeerstaudn gfundn. Und weil er des oanzige is, was ihr vom Buddy bliebn is, hat'sn gwaschn, bügelt und gflickt.

"So. Fertig!" sagt's und beißt an Fadn ab. 

"Hey, wo gehst'n hi?"

"Naus!" sagt d'Mausi. 

 

Und fliegt mit dem Umhang über de Schultern naus in d'Nacht. Auf oimoi fühlt sa si großartig, richtig stark und frei. Einfach wia a Super-Frau!

Da Wahnsinn, denkt sa si, wenn mi da Baddy jetzt sehng kannt, da daat er d'Charlotte links liegn lassen, und bloß no mi meng. - Aber was is denn des? Auf oimoi ruckelt und zuckelt der Umhang und reißt d'Mausi glatt in a Luftloch nunter. Weil er gflickt is, hat er seine ärodynamisch-damischen Mucken. 

"Wia hätt ma's denn do?" sagt d'Mausi, "glei fliagst gscheit!"

Sie macht a poar Kurven und Loopings, zischt in Himmel nauf wia a Raketen, draht si um die eigne Achsn, so gschwind, daß ma bloß no an Farbwirbel siecht, und schiaßt glei drauf runter wia a Stoa. Dann bremst's sauber ab, daß d'Luft hoaß werd, und macht a Punktlandung: Haargenau auf da Spitzn vom Zirkuszelt. - Ja, es is der kloane, schäbige Zirkus, der wo aufm Rest von da Schäferwiesen steht, eizwickt von am Supermarkt und am Möbellager, und hint und vorn nix wia asphaltierte Parkplätz.

"Bravo," ruaft jemand, "bravo, des war super! Kimm runter, du bist angaschiert! 

"Was?" sagt d'Mausi und rutscht langsam as Zirkuszelt owi.

"Du kannst bei uns auftreten", sagt oaner, a Trum Mannsbuild mit am schwarzen, gringelten Schnurrbart und am Tigerfell um d'Schultern. "Du daatst uns rausreißn, vastehtst?"

"Aus was'n?" fragt d'Mausi.

"Ausm Dreck! - Mir steckn bis zum Hals drin: Mir ham koan Tiger mehr, koa Publikum, und überhaupts koa Geld. Net amoi oans für de Standplatz-Gebühr. Morgn früh müaß ma furt. Aber mit deiner Flugschau, vastehst, da waarn ma gerettet. Da hätt ma wieder a Riesen-Attraktion".

Au ja, denkt si d'Mausi, des wenn da Buddy mitkriagat, daß i im Zirkus a Flugschau hab und a Riesen-Attraktion bin, dann laßt er d'Charlotte aber scho sowas von links liegn, daß si de langweilige Eiskugel ei-friern lassen ko." 

"Ausgmacht!" sagt's, "wann fang ma o?"

"Glei!"

"So glei aa wieder net", sagt auf oimoi da Hohlzahn-Benno.

"Babba, wo kummst'n du her?" ruaft d'Mausi. 

"Von dahoam", sagt er. "I bin da nachgflogn, weil i dir was Wichtigs sagn wollt, aber du hast mi gar nimmer ghört vor lauter Saltos und Kunststückl in da Luft."

"Ja, de Kloane is fantastisch!" sagt der Zirkus-Mensch. "Ham Sie was dagegn, wann i's angaschier, Herr..., Herr...?"

"Hohlzahn, Benno Hohlzahn." 

"Angenehm, Herr Hohlzahn! Mein Name ist Karl August, und i bin da Zirkusdirektor."

"Aha", brummt da Benno "aber jetzt halten'S Eahna moi raus! I muaß nämlich da Mausi was sagn." Und dann grinst er an Karl August freundlich o. Und der kriagt vor seine spitzen Vampir-Zähn an Heiden-Respekt. 

"Was, Babba," fragt d'Mausi, "was wollt'st ma sagn?"

Da Hohlzahn-Benno räuspert si: "Da Baddy muaß wieder hoam auf Amerika, Mausi. Heit is a Brief kemma. Und jetzt wolln ma sein Abschied feiern."

"Da Baddy", sagt d'Mausi, und d'Stimm zittert ihr, "da Baddy muaß furt?"

"Ja. Seine Hollidays, seine Ferien, san aus. - Und d'Mama hat an so an guatn Wepsn-Daatschi bachn. Glei fliang ma hoam, sunst werd er kalt."

"Bona sera, seid's ihr mehra?" schreit da Zirkusdirektor Karl August. "Mei, des is ja irr, ihr seid's alle mitnand angaschiert. Kemmt's nur hera!"

"Langsam", sagt da Hohlzahn-Benna, "immer sche langsam. Da müaß ma uns zerst übers Honorar unterhalten, über die Gasche, übern Diri-dari, vastehst!"

Da Zirkusdirektor sagt schnell: "Freie Unterkunft und Verpflegung, is des nix?"

"Net vuil", sagt da Benno, "weil, d'Unterkunft bring ma mit. Mir ham nämlich an eignen Wohnwagn, gell Mausi. - Und wia schaut's mit da Verpflegung aus? Da san ma nämlich a bißerl extra."

Da Zirkusdirektor Karl August is net bled. Er hat's scho gschnallt, daß d'Mausi und ihr Fämily a bsondre Rass san. Er woaß, daß Vampire bloß a Bluat meng. Drum überlegt er net lang und sagt: "Wie wärs mit Leber- und Bluatwürscht mit Kraut?"

"Bluatwürscht ohne Kraut", sagt da Benno. "Abgemacht!" 

Und dann nimmt er d'Mausi in Arm, weil die im Moment so traurig is, daß gar nimmer selber fliang ko.

 

Aber dann es werd's do no a lustiger Abend: Da Victor grinst übers ganze Gsicht, weil eahm d'Charlotte wieder ganz alloa ghörn werd, und sei Wimmerl auf da Nasn leucht wie a rots Laterndl. Die bluatsaure Mari überschlagt si fast, weil alle da Wepsndaatschi so guat schmeckt. Und sogar d'Mausi findt's schee, weil ihr da Buddy verspricht, da er s'nächste Jahr wiederkummt, und si ganz eng im Arm halt. - S'is eh net vuil Platz in dem kloana, gmüatlichen Cämingwagn, der wo so guat nach Schimmel riacht.

 

 

8. Geschichte

 

Zirkusluft

 

Am Victor sei Vampir-Fämily is jetzt beim Zirkus glandt.

Da Zirkusdirektor Karl August hat mit seim Traktor den vaschimmelten Cämpingwagn ausm Himbeerschlag rauszogn und zu seim schäbigen Zirkus dazugstellt. Am Anfang ham si de Vampir - da Hohlzahn-Benno, am Victor sei Babba, sei Mama, die bluatsaure Mari, und d'Fledermausi, sei Schwester - furchtbar gfreit, daß a neus Lebn o-geht, mit Zirkusluft und so, aber dann... Dann hat's bloß no grengt, jeden Tag, und alls war dermaßen kalt, baatzig und trostlos, es war da reinste Horror!

Scho alloa de Tierschau am Nachmittag für die Kinder: drei lahme Enten, zwoa zrupfte Hennan, a magerer Schäferhund, der oan auf Wolf machn muaß, acht krätzige Brieftaubn und zwölf Meerschweindl, de wo ma nia siecht, weil sa si wegn da Kältn im Heu verschlupft ham. 

"Wo san denn die Pferd und die Elefanten", fragt da Victor an Zirkusdirektor Karl August, "und die Löwen und Tiger?"

Da Karl August zuckt bloß mit de Schultern, auf dene s'Fell von seim letzten Tiger liegt. "Verpfändt, verhungert oder verlorn", sagt er, "aber i hab ja no meine Kinder. Und de san tüchtig!"

Des stimmt: Fünfzehn Kinder wuseln im Circus rum, in alle Größen. Des älteste Madl duat seiltanzen, und da älteste Bua Messerwerfen und Feuerspucken. Die Mittlern machen Boden-Akrobatik mit Handstand und Salto, sie könnan aa Jongliern, und des Baby kriecht als Clown in da Manege rum.

"Aber des is doch koa Programm, Herr Direktor", sagt da Victor, "sowas lernan do d'Kinder auf de Stadtteilfeste, sowas lockt doch koan Hund mehr hinterm Fernseher weg. Da müassn'S Eahna scho was Bessers ausdenkn."

"Richtig", sagt da Karl August, "und deswegn hab i euch angaschiert, als Trapez-Nummer, vastehst: "Victor and his Flying Vämpeier-Fämily" oder so. Des kannt ganz groß rauskumma, des is einmalig, des is a Weltsensation! Aber ihr bringt's es net, mit euch is ja nix mehr los!"

"Stimmt", sagt da Victor, "leider. - Aber i konn doch nix dafür, daß i nimmer fliang ko, weil mei linker Flügl verstaucht is, seit da Baddy da war, unser Cousin aus Amerika. Jetzt is er wieder furt, und deswegn kimmt d'Mausi aa nimmer in d'Höh. Sie is sowas von down, weil's unsterblich in den Deppen verknallt is."

"Ja, und drum könnts ihr zwoa nimmer fliang, zefix", sagt da Karl August. "Ha-ha-ha-hatschi! I glaub, i kriag an Schnupfn, des aa no. - Eleonore, geh, bittschön, mach ma an Kräutertee!"

D'Eleonore is sei Frau, und d'Muatter von alle 15 Kinder. Außerdem verkauft's no die Eintrittskarten und as Limo und macht as Popkorn selber. Es schmeckt meistens a bißl o-brandlt. 

Die bluatsaure Mari hat si sofort mit ihra o'gfreindt: "I muaß Sie echt bewundern, Frau Eleonore", sagt's, "wie Sie des alles mänätschn."

D'Frau Eleonore lacht: "Wissen'S, i bin in am Flohzirkus groß worn. As Flöh-fanga, -hüten und -dressiern war a guate Übung."

"So?" sagt die bluatsaure Mari, "kann ma denn Flöh dressiern?"

"Gwiß!"

"Und Wepsen aa?"

"Des müaßt ma ausprobiern." 

"Wissen'S, Wepsen san mei Spezialität. Bis jetzt einglich eher aufm Zwetschgendaatschi, aber des wern ma ja sehng, ob's net anders aa geht." 

 

Es geht anders. Z'Sonn fangt damit o: Sie scheint am nächsten Tag, wärmt und trocknet an Bodn, und ziagt die Kinder auf d'Zirkuswiesn. D'Charlotte, am Victor sei Freindin, is aa dabei.

"Wia schaugt's aus?" fragt d'Charlotte.

"Bescheiden", sagt er, "der reinste Horror!" Und dann verzählt er ihr alls... ..."und da Babba duat aa nix, er verschlingt jeden Tag unsere Gasche, sechs Bluatwürscht ohne Kraut, und jammert, daß d'Mama koa Zeit mehr für eahm hat, bloß no für ihre bledn Wepsn."

"Echt bescheiden", sagt d'Charlotte. "Ey, hast du scho de Meerschweinderl in da Tierschau gsehng? De san so süß! - Moanst, i derfert mit dene trainiern?"

"Da müaßt ma an Direktor fragn", moant da Victor. 

Da Karl August kriagt an Anfall: "Meerschweindl-Dressur, Wepsen-Zirkus, ja, wo san ma denn? In am Mini-Zirkus? Wo bleibt denn der Sinn fürs Großartige und Gigantische?"

Da muaß da Victor lachn. "Jetzt woaß i's", kichert er, "lassen'S mi de neuen Plakate malen, Herr Direktor, und i garantier, daß ma Erfolg ham wern."

"Nur zua", brummt da Karl August verzweifelt, "es is eh scho alls wurscht!"

"Blutwurscht", lacht da Victor. 

Und des war sei Plakat, wo überall aufghängt worn is: 

 

Neuheit!

Allerbescheidenster Horror-Circus der Welt

Heute große Mitternachts-Vorstellung.

Platzreservierung unbedingt nötig wegen

höchstwahrscheinlicher Überfüllung.

Kommt trotzdem!

 

Und sie san kemma, d'Leut. As Zelt war scho um zehn vor zwölfe grammelt voll, und d'Frau Eleonore hat glacht, weil ihr Kassa gstimmt hat.

Da Victor war da Ansager: "Meine Damen und Herren! Sie sehen jetzt eine Weltneuheit, eine einmalige Dressurleistung: Charlotte und ihre wagemutige Meeschwein-Nummer."

Und dann san de zwölf Meerschweinchen durchs Laufgitter grumpelt, und d'Charlotte hat mit der Peitsche knallt, und a jeds hat si auf sei Hockerl gsetzt und furchtbar gfaucht. 

Wia wuild de san, ham d'Leut gsagt, da kannt ma si glatt fürchtn. Danach san alle Meerschweinchen bis auf oans, des a Feigling war, durch an brennenden Reifen gsprunga. - Unglaublich!

"Als nächstes erleben Sie ein wahres Wunder, das Wunder der Liebe. Acht weiße Brieftauben werden Sie überraschen!" 

De hat d'Mausi vorgführt. Und weil sie's so blutrünstig und scharf o-gschaut hat, ihre Taubn, ham's ihrer liaber glei gfolgt und brav ihre Brieferl im Publikum abgliefert. Alle Leut ham an Briaf gkriagt, wo drin-gstandn is: Jemand liebt dich, heimlich aber ehrlich! - Des hat natürlich die Stimmung sehr gehoben. 

"Ich bitte um Ruhe", hat da Victor grufn, "denn jetzt wird Ihnen die "blut-süße Märry" ihren Wepsenzirkus vorführen." Sei Mama war furchtbar aufgregt, aber sie hat's voll bracht: Ihre Wepsen ham a winzigs goldnes Wagerl zogn und san auf Zwetschen balanziert. Zum Schluß san's ihr wia a Heiligenschein um an Kopf rumgflogn. 

Vor da Pause hat d'Frau Eleonore ihren zahmen Tiger vorgführt, des war da Karl-August , den wo's in sei Tigerfell ei-gnaht ghabt ham. Alle Kinder wollten drauf reiten, und des ham's aa derfn. 

Danach iss mit einer scharfen Messerwerfer-Nummer weiterganga. Da Hohlzahn-Benno hat auf Bluatwürscht gschmissn, und a jede troffn. 

Sauber! ham d'Leut plärrt, obwohl des a ziemliche Sauerei war, weil die Würscht net kocht gwen san. Nachad is a neus Sägmehl in d'Manege gstreut worn, und da Victor hat s'Finale angekündigt: "Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, zeigen wir Ihnen den stärksten Vater der Welt. Er wird mit seinen Kindern eine Menschen-Pyramide aufbauen. Allez hopp!" 

Und scho san's eham alle vierzehn auf d'Schulter gsprunge, oans übers andre. A jeds von seine Kinder hat des Kleanste, den Baby-Clown, weiter nach obn greicht, bis der aus der Spitzn vom Zirkuszelt lustig obi-kraht hat. D'Leut ham trampelt vor Begeisterung!

Aber auf oimoi is a Wind aufkumma. S'Zeltdach hat gwackelt, und die Pyramide aa. "Keine Panik, meine Damen und Herren", hat da Victor grufn, "alles unter Kontrolle!" Obwohl des überhaupts net gstimmt hat. Da Wind ist stärker worn, a richtiger Sturm, und scho san de ersten Seile grissn, mit dene s'Zeltdach im Bodn verankert is. 

"Babba", schreit da Victor, "Babba, schnapp da a Schnürl!"

Da Hohlzahn-Benno is von seiner Blutwurst-Diät ziemlich schwerwiegend, aber es ziagt's eahm trotzdem d'Füß vom Bodn weg. "Mari", schreit er, "lang zua!" Und die blut-süße Märry greift si aa a Seil, und werd vom Sturm hochtragn, samt ihre Wepsen. Jetzt werd d'Fledermausi aktiv, schnappt si des dritte Seil vom Zeltdach und juchzt: "Victor, kimm, des is a Gaudi!"

Da Victor vergißt ganz, daß er einglich an verstauchten Flügel hat und fliagt mit seiner Fämily hoch in Himmel nauf, und sie kämpfen mitm Sturm und zerrn an die Seile und laßn net aus und lachn und lachn. Und sie schaffen's! 

Richtig frisch is de Luft im Zirkus, wia's des Zeltdach wieder owibracht und o-bunden ham. 

"Zugabe, Zugabe!" schreit s'Publikum. 

"Morgen", ruaft da Zirkusdirektor Karl August, "morgen is wieder a neue Vorstellung. - Und nun verabschieden sich der Victor und seine Flying Vämpeier-Fämily ganz, ganz herzlich von Euch!"

 

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